Glücksmomente: Lernen nein zu sagen

Monika Nein sagen

Bin ich eine Rabenoma, wenn ich die nächsten acht Wochen mein Enkelkind nicht jeden Dienstag vom Kindergarten abhole, ihm Mittagessen koche und ihm danach pädagogisch wertvollstes Unterhaltungsprogramm biete, bis es um 18 Uhr von seinen Eltern abgeholt wird? Wenn ich mich stattdessen zum Keramikkurs angemeldet habe, der ausgerechnet Dienstagnachmittag stattfindet? STOP – allein schon das Wort „ausgerechnet“ kommt hier einem Schuldbekenntnis gleich.

Nein, Oma ist nicht dazu verpflichtet, ihre Kurstermine mit der Familie abzusprechen und sie womöglich mit dem Terminplan der Eltern abzustimmen. Schließlich ist Oma in ihrem wohlverdienten Ruhestand, hat ihr Leben lang gearbeitet, war immer für alle da und sprang mehr als einmal ein, als der Babysitter ausfiel. Sie hat es mehr als verdient, dass sie jetzt genau das tut, worauf sie Lust hat. Ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob ihr neues Hobby möglicherweise mit einer fehlenden Kinderbetreuung kollidiert.

Es ist schwierig, mich genau in so einer Situation zu behaupten und nicht als Egoistin betitelt zu werden. Mir klarzumachen, dass es nicht zu meinen Pflichten gehört, den Babysitter zu spielen und dass es völlig O.K. ist, auch mal „nein“ zu sagen. Dass ich alt genug bin, meine eigenen Entscheidungen zu treffen und mich absolut nicht dafür rechtfertigen muss.

Natürlich heißt das nicht, dass ich meine Kinder nicht mehr liebe und mein Enkelkind wird immer der kleine Prinz bleiben. Aber ich muss mich selber dafür nicht hinten anstellen. Jeder hat das Recht, sein Leben so zu gestalten, wie er es möchte. Man muss nicht immer Feuerwehr spielen und anderer Leute Brände löschen. Man muss nur sich selbst treu bleiben und sich selbst verwirklichen können. Denn nur daraus schöpft man die Kraft, beim nächsten Kindergeburtstag acht Kleinkinder im Zaum zu halten, wenn die Tochter verzweifelt um Hilfe bittet.

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